„Es ist alles so komplex.“
Dieser Satz fällt derzeit in vielen Geschäftsführerrunden im Mittelstand. Und er ist selten falsch. Doch er wird häufig falsch verwendet.
Komplexität erklärt Situationen. Sie entschuldigt keine Führung. „Komplexität ist keine Begründung für Stillstand, sondern eine Belastungsprobe für die Statik eines Unternehmens“, sagt Rolf Dindorf aus Kaiserslautern.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen aktuell zwischen Fachkräftemangel, Preisdruck, Digitalisierung und Nachfolgefragen. Die eigentliche Herausforderung liegt dabei oft nicht im Markt – sondern im Umgang mit Entscheidungen.
Nicht-Entscheidung ist ebenfalls eine Entscheidung
Viele strategische Themen werden nicht aktiv abgelehnt. Sie werden vertagt.
- Investitionen
- Prioritäten
- Verantwortlichkeiten
Das wirkt vorsichtig. Ist aber teuer. Jede vertagte Entscheidung erzeugt:
- Opportunitätskosten
- strategische Unsicherheit
- informelle Klärungen auf dem Flur (Flurfunk)
- verdeckte Machtspiele in der zweiten Ebene
Nicht-Entscheidung fühlt sich risikovermeidend an. Tatsächlich verschiebt sie Risiken in die Zukunft – meist verstärkt.
Im KMU bedeutet das häufig: Mitarbeitende warten, Führungskräfte sichern sich ab und am Ende landet alles wieder beim Inhaber.
Warum Komplexität im Mittelstand Struktur braucht
Je dynamischer das Umfeld, desto höher werden die Anforderungen an die Organisation:
- klare Zuständigkeiten,
- transparente Mandate,
- definierte Eskalationswege und
- realistische Entscheidungsspielräume.
Viele Betriebe reagieren auf Unsicherheit mit mehr Abstimmung. Doch Komplexität verlangt nicht weichere Strukturen. Sie verlangt tragfähigere. Wo unklar ist, wer entscheiden darf, entsteht kein gemeinsames Handeln – sondern kollektives Zögern.
Das Missverständnis der Agilität
Auch im Mittelstand hat sich ein Verständnis verbreitet: Agilität bedeutet möglichst viel Beteiligung. Doch Geschwindigkeit entsteht nicht durch Offenheit allein. Wer sich schnell bewegen will, muss wissen:
- wer entscheidet
- wer Verantwortung trägt
- wer bei Gegenwind zuständig bleibt
Ohne diese Statik wird Tempo zur Unruhe. Und Beteiligung zur Blockade.
Die eigentliche Führungsfrage für Geschäftsführer
Welche strategischen Entscheidungen in Ihrem Unternehmen wurden in den letzten zwölf Monaten vertagt – und welche Folgekosten sind daraus entstanden? Nicht jede Entscheidung muss sofort fallen. Aber jede Nicht-Entscheidung wirkt auch.
Für viele KMU in Rheinland-Pfalz entscheidet sich genau hier die Zukunftsfähigkeit:
nicht am Willen zur Veränderung – sondern an der Fähigkeit, Verantwortung verbindlich zuzuordnen.
Möchten Sie mehr über das Statik-Prinzip erfahren?
Nehmen Sie Kontakt zu Rolf Dindorf auf!
0631 6259657
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