Mittelständische Unternehmen setzen stark auf Nähe: kurze Wege, offene Türen, direkte Abstimmung. Mitarbeitende werden einbezogen, Entscheidungen gemeinsam diskutiert. Das stärkt Bindung – und ist eine große Stärke des Mittelstands.

Doch genau hier entsteht in vielen Betrieben ein strukturelles Missverständnis: Beteiligung wird zur Entscheidungslogik.

„Viele Geschäftsführer wollen bewusst weg vom autoritären Stil früherer Generationen. Das ist richtig“, sagt Rolf Dindorf aus Kaiserslautern. „Problematisch wird es, wenn Zustimmung Verantwortung ersetzt.“

Beteiligung schafft Akzeptanz. Aber sie ersetzt keine Zuständigkeit.

Wenn Konsens Entscheidungen weich macht im KMU

In vielen KMU zeigt sich ein vertrautes Muster:

Man setzt sich zusammen. Alle dürfen ihre Sicht einbringen. Es gibt keinen offenen Widerstand. Und trotzdem passiert anschließend wenig.
Warum? Weil Konsens nicht klärt, wer bei Gegenwind entscheidet.

Praxisbeispiel:
Ein Produktionsbetrieb in der Westpfalz diskutiert über eine neue Software für die Fertigungsplanung. Drei Meetings, breite Zustimmung, positive Stimmung.
Sechs Monate später läuft noch immer das alte System.

Nicht wegen Widerstand – sondern weil niemand die Entscheidung wirklich getragen hat.

Führung heißt nicht durchsetzen – sondern binden

Viele Inhaber vermeiden klare Festlegungen, um Mitarbeitende mitzunehmen. Dahinter steckt kein Führungsdefizit, sondern oft Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Team. Doch Führung bedeutet nicht, Diskussion zu vermeiden. Führung bedeutet, Entscheidung zu binden.

Nicht:

  • autoritär entscheiden
  • Meinungen übergehen
  • Diskussionen abbrechen

Sondern:

  • Entscheidungsspielräume definieren
  • Beteiligung bewusst rahmen
  • Verantwortung eindeutig zuordnen

Beteiligung ist ein Mittel. Verantwortung ist die Struktur.

Die unterschätzte Folge flacher Hierarchien

Flache Hierarchien sind typisch für KMU in Rheinland-Pfalz. Sie reduzieren Ebenen – aber nicht Verantwortung. Wird sie nicht klar benannt, verlagert sie sich informell:

Projektleiter warten auf Signale der Geschäftsführung. Mitarbeitende orientieren sich an der lautesten Stimme. Und am Ende entscheidet doch wieder der Inhaber.

Praxisbeobachtung aus Beratungsprojekten:
In vielen Betrieben entstehen keine Fehlentscheidungen – sondern Entscheidungsleerräume. Arbeit wird erledigt, aber Richtung fehlt.
Informelle Verantwortung funktioniert im Alltag. Unter Druck bricht sie zusammen.

Die entscheidende Prüffrage für Geschäftsführer

Gab es in Ihrem Unternehmen Entscheidungen, an denen viele beteiligt waren – aber am Ende niemand klar verantwortlich war?
Dann fehlt nicht Beteiligung. Sondern Statik. Für mittelständische Unternehmen entscheidet sich genau hier Führungsqualität:
Nicht daran, wie viele mitreden dürfen – sondern daran, wer stehen bleibt, wenn es unbequem wird.

Möchten Sie mehr über das Statik-Prinzip erfahren?
Nehmen Sie Kontakt zu Rolf Dindorf auf!
0631 6259657

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